Die alte Weide für Armin Guther.
Gegen alles trotzend...
Foto: B.G.
Lieber Armin,
einige Jahre kennen und begleiten wir uns in der Kunst nun schon. Mal mehr, mal weniger. Wenn ich dich in Heidelberg besucht habe, ging ich immer, nachdem ich die kleine, herrliche Zweitwohnung in deinem Haus bezogen hatte,zuerst in dein Atelier.Nein, stimmt nicht...ich ging zuerst zum Muck. Jene Skulptur, die am Bahnhofseingang steht und in die du so viel Energie investiert hast. Ohne dich würde der bekannte Kofferträger aus der Heidelberger „Szene“ nicht an diesem Ort verweilen. Dann erst das Atelier- diese zwei Räume, die so eine wunderbare Urigkeit ausstrahlen und nach Farben riechen. Ich weiss noch, wie wir beide am Abend auf der Terrasse sassen und über das Leben ( und natürlich über unserer beider Kunst) philosophiert haben. Erlebt haben wir wohl beide viel. Du mehr als ich, da du Jahrzehnte älter bist. Es ist auch ein Punkt, warum ich Ansichten und Erfahrenes von Älteren aufsauge, wie einen nassen Schwamm. Und dann frage ich mich, wenn ich einmal fast 80 Jahre bin, wo ich dann stehen werde. Vorausgesetzt, ich werde überhaupt so alt. Das ich es immer bewundert habe, wie jemand diesen Handstand hinbekommt, gleichzeitig den Zahnarztberuf auszuüben und Künstler zu sein, mit allem drum und dran. Mit Ausstellungen, nervigen Transporten der Werke, mit Kosten und Stress. Du hast es hinbekommen, kannst gute Erfolge aufweisen und stehst sogar heute manchmal immer noch mit der Zange in der Hand am Behandlungsstuhl. Sogar deine Arbeit als Zahnarzt hast du hinübergeschaukelt zur Kunst indem du zum Beispiel eine Skulptur aus Zangen erstellt hast.
Geredet haben wir auch oft über die Liebe. Wie oft hast du mir gesagt, dass du nicht mehr an sie glaubst. Sie kam einfach nicht vorbei und hat gesagt: „ Hallo, da bin ich.“ So sehr du dir das auch gewünscht hattest. Ich habe dich in all den Jahren darum so manches Mal traurig erlebt, hatte mir Sorgen gemacht, weil du enttäuscht wurdest und ich weiss, das willst du nicht hören. Es war aber so und ich kann es ja nur allzugut verstehen und nachempfinden. Ich hatte dir immer gesagt, solange, wie du etwas mit aller Macht willst, bekommst du es grad nicht und ich sagte dir, dass du erst loslassen musst. Dann würde es schon werden- von ganz allein. Und heute? Du hast vor kurzem geheiratet- mit deinen fast 80 Jahren- bist du glücklich, wie nie zuvor. Jetzt bist du nicht mehr
der „Einzelgänger“, den du so oft in deiner Kunst darstellst.
Deine Kunst tangiert für mich ganz subjektiv Rodin und Camille Claudel. In deinen Skulpturen leben all deine vergangenen Jahre, deine Gedanken, deine Träume und Sehnsüchte weiter. Natürlich auch dein Trotz, dein Frust und manchmal sogar deine Eifersucht. So hattest du mir einmal erzählt, dass du vor Eifersucht um eine Frau einer Skulptur seines besten Stückes beraubt hast. Du hattest dir vorgestellt, dass es „er“ wäre...Für mich zeigte das nur, wie verletzlich du warst bzw. bist. Ich glaube niemand kann eine gewisse Lebensweisheit entwickeln, der nicht leiden musste. Ich denke immer, an allem Schlechten reift man noch mehr, als am Guten, weil man lernen muss, gerade dann zu leben.Man muss durchleben, was einem die Zeit ins Gesicht schlägt. Gestärkt und trotzig und doch ein Stück weiser nach einem Tal des Lebens. Deine Kunst, lieber Armin, trägt Farben. Sie trägt Farben, die harmonieren. Man schaut gerne darauf und ist nicht frustriert, wie bei so manchem Bild anderer Künstler, das nur aus der schwarzen Tiefe besteht.
Ich liebte deine Kunst, ob gemalt, oder in Stein oder deine Terrakottenfiguren, vom ersten Augenblick an. Endlich ein Künstler, der darstellen kann. Der ausdrückt, der Bild und Emotionen verbinden kann, bei dem man nicht davor steht- vor einer einzigen Linie und sich fragt, was das soll. Dieses Weiche in all deinen Kunstwerken, diese Wärme...und sogar deinen Humor konntest du gut einarbeiten und einflechten.
Dein Garten selbst eine Galerie, eine permanente Ausstellung. Zwischen wilden Erdbeeren und einem Walnussbaum deine Skulpturen und irgendwann, wenn man Glück hatte, vielleicht auch die sich bei dir eingenisteten Eichhörnchen-das alles bleibt Bild in mir, bleibt ein kleines Stück von Ewigkeit.
In den letzten Jahren hast du oft über den Tod nachgedacht, besonders, als das Leben dir wiedermal die finstere Seite zeigte und du gegen Krebs zu kämpfen hattest. Da hast du den Tod als Skulptur dargestellt. Selbst aus diesem Tal bist du aufrecht herausgegangen. Hast es genommen und das Beste daraus gemacht.
Aber du hast jetzt die Liebe an deiner Seite und wer einmal richtig geliebt hat, weiss, wie heilend sie sein kann...
Bleib in Liebe, lieber Armin...
Birgit
Armin Guther wurde 19 31 in Oberndorf am Neckar geboren. 19 59 liess er sich als Zahnarzt nieder. 1967-1970 war er Schüler bei Prof.Theo Siegle. 1967/69/70 besuchte er die Sommerakademie Salzburg der Bildhauerklassen bei Prof. Heinrich Kirchner,Salzburg,Prof. Marcello Mascherini und Prof. Zao-Wouki.
1970 erhielt er den Ehrenpreis der Stadt Salzburg für seine besten Leistungen in der Bildhauerei und im Bronzeguss. 1971 Sommerkurs an der Sommerakademie Salzburg, Meisterklasse für abstrakte Malerei bei Prof. Corneille ( Paris). 1979 war er in der Bildhauerklasse von Prof. Oreste Dequel und fertigte eine erste grosse Arbeit aus Stein an. Dann immer wieder verschiedene Kurse u.a. zur Aktmalerei. 1987 Don-Quixote-Preis für Bildhauerei.
Armin Guther lebt und arbeitet heute in Heidelberg.
Ausstellungen u.a. in Paris,Rom,Triest,Salzburg,Uppsala,Montpellier,Nürnburg,
Karlsruhe,Mannheim,Speyer,Walldorf,Bauschlott,
Heidelberg,München,Soest und Sigtuna in Schweden
Webseite des Künstlers:
www.guther.de/armin/index.html




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