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Mileva Maric
Normalerweise wollte ich keine Biografien in dem Sinne schreiben, denn das ganze Netz ist davon überschwemmt. Doch Mileva Einstein ist immer noch wenig bekannt. Da sie für mich aber eine interessante und intelligente Frau darstellt, habe ich beschlossen für sie eine Ausnahme zu machen.
Mileva Maric, geboren 1875 in Ungarn (später Jugoslawien), war eine kluge, wissensbegierige Frau, die versucht hat dieses damalige „Frausein“, unterstützt von ihrem Vater, umzusetzen. „Mietza“ nannte er sie liebevoll. Mileva war das erste Kind ihrer Eltern. Sie war ein eher introvertiertes Kind, schüchtern und dazu wurde sie mit einer Verrenkung der linken Hüfte geboren, die nicht kuriert werden konnte. Das führte dazu, dass sie ihr Leben lang leicht hinkte.
Ihr Vater war ihr Vorbild, er war belesen, und Mileva fing bald an serbische Volksdichtungen auswendig zu lernen.Las aber auch deutsche Literatur, insbesondere Märchen.Mit acht Jahren nahm sie Klavierunterricht.
Weil es damals in Österreich/Ungarn noch kein Gymnasium für Mädchen gab, musste Mileva nach Sabac in die Schule. Sie war eine sehr gute Schülerin. Besonders lagen ihr die Fächer Mathematik und Physik. Hier filterte sich schon heraus, dass sie mit diesen Interessen ihr späteres Leben gestalten könnte.
Als ihr Vater 1891 eine neue Stelle als Offizial der königlichen Banaltafel, dem Obergericht in Zagreb, erhielt, musste sie umgeschult werden. Sie bekam die Erlaubnis die Privatschule des Königlichen Obergymnasiums in Zagreb zu besuchen. Angemerkt sei, dass diese Schule eine Knabenschule war.
Sie bestand ihren Abschluss mit Bestnoten.
Kurz darauf verlässt sie ihr Elternhaus und zieht in die Schweiz. Sie wird in die höhere Töchterschule der Stadt Zürich aufgenommen, wo sie 1896 ihre Matura besteht.
Sie schrieb sich zunächst in Zürich zum Studium der Medizin ein, wechselte dann zur ETH zur Physik. Das Interesse für die Medizin lag wohl in der Familie, denn auch ihr Bruder Milos war begeistert von diesem Fach. Später war es ihr jüngster Sohn Eduard, der sich davon angezogen fühlte.
Als Mileva an einem Versuch im Labor des Polytechnikums teilnahm, kam es zu einer Auseinandersetzung mit ihrem Professor, der nicht wollte, dass sie ein Reagenzglas mit einem Korken verschloss. Es sollte zu keiner Explosion führen, die der Professor befürchtete.
In jenen Minuten begegneten sich zum ersten Mal Albert Einstein und Mileva.
Albert gab ihr zu verstehen, dass der Professor verrückt sei und sogar schon einmal vor Zorn kollabiert sei. Einstein und Mileva verbrachten viel Zeit miteinander. Sie teilten beide die Liebe zur Musik. Dies verband sie miteinander.
Mileva geht zunächst 1897 nach Heidelberg, trägt sich als Gasthörerin bei Lennard ein, da Frauen zur damaligen Zeit an dieser Universität noch nicht zugelassen sind. Nach dem Wintersemester reist sie zurück nach Zürich.
Mileva galt als disziplinierter, kluger, selbstbewusster und unabhängiger Mensch unter ihren Bekannten und Freuden und sie hatte ihre Portion Eigensinn.
Einstein war von ihrer Art begeistert und fühlte ihr sich seelenverwandt. Sie verlieben sich später in einander. In seinen Briefen an sie schrieb er einmal: „Wie glücklich bin ich, dass ich in Dir eine ebenbürtige Kreatur gefunden habe, die gleich kräftig und selbständig ist wie ich selbst! Außer mit Dir bin ich mit allen allein.“
Zur damaligen Zeit war es Frauen noch nicht vergönnt in „Männerdomänen“ Erfolg zu haben. Bis heute ist umstritten, wie viel Denken von Mileva in den Theorien Einsteins steckt.
Mileva hatte einerseits den Mut als Frau ihren wissenschaftlichen Weg einzuschlagen, andererseits wollte sie auch eine ganz normale Familie. Doch das Mutterglück stellte sich viel zu früh ein. Noch nicht verheiratet und im Studium steckend wird sie schwanger.
Mileva und der junge Albert Einstein hatte zur damaligen Zeit weder eigenes Geld, noch Zeit, um sich um ein Baby zu kümmern. Hinzu kam, dass Alberts Mutter Pauline, Mileva ablehnte und sein Vater in eine Hochzeit nicht einwilligen wollte.
Durch die Schwangerschaft musste Mileva ihr Studium unterbrechen. Sie ging zurück in ihre Heimat, um ihr Kind zur Welt zu bringen. Später fand sie nie wieder und wirklich einen Anschluss ans Studium.
Diese ganzen Umstände müssen sie sehr bedrückt haben.
Michel Zackheimer schreibt in ihrem Buch „ Einsteins Tochter“:“ Am Tag von Milevas Heimkehr wurde ein kluger, gutaussehender junger Mann aus derselben Gegend der Vojvodina ermordet, weil er seine Geliebte geschwängert hatte. Der Mord, höchstwahrscheinlich von der Familie des Mädchens begangen, war so brutal, dass die Menschen behaupteten, nie etwas so Grässliches gehört zu haben.“
Mileva kannte diese Umstände in ihrer Heimat und vermutlich hatte sie grosse Angst davor, ihre Familie könnte in einen schlechten Ruf geraten. Dies galt ebenso für Einstein, dessen Familie und Karierre in Verruf geraten wären.
Sie bringt 1902 Tochter Lieserl zur Welt. Ihr Verbleib ist bis heute unbekannt. Einzig gibt es verschiedene Theorien. Da so viele wichtige Unterlagen fehlen, Zeitzeugen sich verschlossen halten oder längst verstorben sind und es insgesamt fünf Frauen gab, die sich für Lieserl ausgaben, bleibt dieses Rätsel weiter ungelöst. Wurde sie damals, nach der Geburt, zur Adoption freigegeben? Oder war sie behindert? Darüber kann auch heute nur spekuliert werden, denn es gibt nun mal keine wirklichen, schriftlichen Beweise. Es reicht nicht, wenn man wage Aussagen ineinander kippt und daraus dann seine Wahrheit erfindet.
Nur ein Jahr später 1903 heirateten Mileva und Einstein, der mittlerweile eine Anstellung im Berner Patentamt bekommen hatte.
Sie bekommen zwei weitere Kinder- 1904 Hans Albert wurde später Ingenieur und 1910 Eduard
(genannt „Tetel“), einst ein kluges, literarisch begabtes Kind, erkrankte später an Schizophrenie.
Als Eduard geboren wurde war die Ehe bereits nicht mehr zu retten. Die Liebe von Albert zu Mileva war erloschen. War er einst stolz und fühlte er sich seelenverwandt, glich sein Denken jetzt dem eines Frauenverachters. Dies zeigte er auch Mileva deutlich. In den letzten Zügen ihrer Ehe bekam sie von Albert einen Plan mit zu erfüllenden Punkten. Zum Beispiel sollte sie dafür sorgen, dass er zu essen bekam, ansonsten solle sie ihm aus dem Wege gehen.
Auch das Verhältnis zu seinen Kindern änderte sich. Er liebte sie zwar, doch gab es auch genug Diskrepanzen.
Mileva war die Verliererin, sie hatte Liserl verloren, keinen Universitätsabschluss und hatte einen kranken Sohn. Ausserdem musste sie die Grobheiten Einsteins einstecken, der zunehmend mit seiner Cousine Elsa liebäugelte.
1919 wurde ihre Ehe geschieden.
Sie führte daraufhin in Zürich ein zurückgezogenes Leben,in dem sie ihren kranken Sohn Eduard liebevoll betreute. Leicht war das sicher nicht und es gab Tage, wenn er bei ihr war, da bekam er Tobsuchtsanfälle. So hämmerte er einmal auf dem Piano herum, warf Dinge wie Bilder aus dem Fenster und ging Mileva einmal sogar an die Gurgel.
Sie wohnte gegenüber von dem Nobelpreisträgers für Chemie Vladimir Prelog, der sie des Öfteren auf ihrem Balkon sitzen sah. Sie hätte noch immer eine ganz gewisse Ausstrahlung gehabt, sagte er einmal.
Die Pflege Eduards, der ständige Kampf gegen ihre eigenen oft düsteren Gemütsverfassungen, die Geldsorgen und das Verlorengehen ihrer Liebe forderte seinen Tribut. So fand man sie einmal bewusstlos auf der Strasse liegend- völlig kraftlos. Man vermutete, dass sie bereits mehrere Schlaganfälle hinter sich hatte.
1948 erlitt sie einen weiteren Schlaganfall, der sie linksseitig lähmte. Offenbar war sie 73jährig zusätzlich in einem verwirrten Zustand. Sie rief immer wieder nach Eduard.
Ihre Klingel am Krankenbett war abgestellt.
Am 04.08.1948 starb Mileva verarmt und einsam. Sie wurde in Zürich begraben.
„ Sie starb allein.Sie starb ganz allein.“ (Grendelmeier)
Verwendete Literatur/Quellen:
Jürgen Neffe „ Einstein“
Michele Zackheim „ Einsteins Tochter“
Roger Highfield/ Paul Carter „ Die geheimen Leben des Albert Einstein“