(C) B.G.
Die unheimliche Lebensform
Myxomyceten, also Schleimpilze, sind eine unglaubliche Lebensform und existieren seit ungefähr 700 Millionen Jahren. Man kann sie nicht einstufen. Sie sind weder Tier, noch Pflanze und trotzdem sie Schleimpilze genannt werden, auch keine Pilze. Myxomyceten besiedeln unseren ganzen Globus. Sie sind unter und auf der Erde und sogar in der Luft. In Deutschland wurden an die 370 Arten gefunden, weltweit sind es circa 1000. Manche Arten lassen ihre Fruchtkörper mit dem Wind in neue Gefilde tragen. Andere wieder vermehren sich mit Hilfe des Wassers und entstehen durch die Vermehrung von Mikroorganismen, wie den Amöben. Dies ist ein äusserst kurioser und unheimlicher Vorgang, weil noch niemand erklären kann, wie genau dem Pilz es gelingt diese Symbiose zu bilden, die nachher quasi wie eine Metamorphose vom Mikroorganismus zum Schleimpilz ist. Wir wissen nur, dass sich diese Amöben von Bakterien ernähren. Stösst einer dieser „infizierten“ Amöbe auf eine andere deren gleichen, so verschmelzen die Kerne und es entsteht zunächst ein Plasmodium ( Parasitengattung). Nun teilen sich deren Zellkerne, nicht aber die Zelle selbst.Daraus entsteht ein „neuer“ Schleimpilz.
Schleimpilze bewegen sich fort. Langsam, sehr langsam, aber sie tun es. Dabei bilden sie
manchmal „ Kundschafteradern“, die den Weg erforschen, bevor sich der gesamte Organismus auf die Reise begibt. Auf ihrem Weg verspeisen sie gerne Pilze, Bakterien und andere kleinste Lebensformen. Sie lieben aber auch unter anderem altes, morsches Holz und sind eine ökologische Bereicherung, ja wahre Zersetzungsmaschinen.
Wahrscheinlich ist es der Reiz des Unbekannten, der Menschen aus aller Welt und den unterschiedlichsten Berufen dazu bringt, jenen unheimlichen Mitbewohner unseres Planeten aufzuspüren und zu sammeln.
Vieles gibt es noch zu erkunden. Die Natur birgt noch so manches Geheimnis, wovon wir wahrscheinlich noch nicht einmal eine Ahnung haben. Man denke nur an den Meeresboden, an die Tiefe der See. Unzählige Lebensformen tummeln sich dort. Oder man denke an das Universum. Sowohl Mikro wie auch Makro lassen Rätsel offen und tragen doch Schlüssel in sich. Gene verändern sich, Bakterien sind zu Mutanten gereift, Viren werden resistent. Immer und immer wieder müssen wir erkennen, dass im Grunde nicht wirklich etwas ein undrücklicher Schluss ist. Theorien kommen und gehen, vor allem aber fallen sie wieder. Das sagte schon Sir Karl Popper, der alle Formen von dogmatischen Haltungen, sei es politisch oder wissenschaftlich etc. ablehnte. Diesem kann man nur beipflichten. Viel zu komplex ist das Leben an sich, als das wir uns erlauben dürfen Herr über deren Prozesse an sich zu sein. Solche kleine " einfache" Dinge wie die Lebensform eines nicht klassifizierten Wesens der Myxomyceten zeigt uns das.
Einzig können wir mit Bestimmtheit von Bausteinen sprechen, die eine Basis bilden und deren wir uns im relativen Maß sicher sein können.
An dieser Stelle sei auch auf Joachim Bauer verwiesen. Dessen Neuerscheinung über die Genforschung - Joachim Bauer (2008): "Das kooperative Gen – Abschied vom Darwinismus." Verlag Hoffmann und Campe. EUR 19,95
einen weiteren Meilenstein auf der Strecke der Bausteine setzt.
Der japanische Forscher Toshiyuki Nakagaki von der Hokkaido-Universität in Sapporo
testete Myxomyceten auf Intelligenz. Das Ergebnis war positiv.
Man setzte Teile eines Myxomycet in ein Labyrinth an deren Ein-und Ausgang man kleine Futterhäufchen platzierte. Es gab aber nur einen wirklich kurzen Weg zum Futter, in diesem Falle Haferflocken. Der Schleimpilz bestand diese Prüfung mit Bestnoten. Natürlich muss man nach wie vor mit dem Begriff Intelligenz vorsichtig sein.
Myxomyceten könnten in Zukunft wichtige Wegweiser in der Genforschung sein, aber auch deren produzierte Stoffe eröffnen wahrscheinlich neue Erkenntnisse zur Behandlung von Krankheiten.
B.G.
Literatur: