drei Weiden im Schnee (@ B.G.)

                  Franz Kafka wird am 03.07.1883 in Prag geboren

- 1893      Kafka besucht das Staats-Gymnasium mit deutscher Unterrichtssprache in der Prager Altstadt.


 - 1898     Kafka tritt dem Verein „Freie Schule“ bei, der gegen klerikale Einflüsse in der Schule gerichtet ist.

 - 1899    Kafka befasst sich mit der populärphilosophischen Schrift »Die
                 Welträtsel« des Philosophen und Zoologen Ernst Haeckel und beschäftigt sich mit den Schriften von
                 Charles Darwin

                 Bekanntschaft mit Emil Felix Pribram, Hugo Bergmann und Emil Utitz, Freundschaft mit Oskar Pollak

 - 1901    Kafka legt in Prag die Abiturprüfungen ab

                 Sommer: Aufenthalt auf Norderney und Helgoland

                Oktober: Kafka immatrikuliert sich gemeinsam mit Oskar Pollak und Hugo Bergmann an der „Deutschen
                k. k. Carl-Ferdinand-Universität“ in Prag zunächst zum Chemiestudium

               Zwei Wochen später wechselt er das Studienfach und entscheidet sich für Jura

 - 1902   Im Sommersemester besucht Kafka Vorlesungen in Germanistik und Kunstgeschichte sowie in Philoso-
               phie bei dem Brentano-Schüler Anton Marty

               Kafka beschäftigt sich mit der Lehre Franz Brentanos und nimmt regelmäßig an Zusammenkünften der
               Brentanisten teil (bis Anfang 1906)
               Bei einem Aufenthalt in München faßt Kafka den Plan, dort Germanistik zu studieren
               Im Wintersemester setzt er sein Jurastudium in Prag fort
               Beginn der Freundschaft mit Max Brod, Bekanntschaft mit Berta Fanta und Felix Weltsch

1905      Regelmäßige Zusammenkünfte mit Max Brod, Felix Weltsch und Oskar Baum, die aus ihren Schriften
               vorlesen; Kafka liest erst ab 1910 gelegentlich Proben aus seinen Manuskripten.
               Sommeraufenthalt im Sanatorium Zuckmantel in Schlesien

1906       April: Kafka besteht die letzte Staatsprüfung

               Juni: Kafka wird zum Doktor der Rechte promoviert

               Sommeraufenthalt im Sanatorium Zuckmantel in Schlesien

                Oktober: Beginn des einjährigen Referendariats beim Landgericht, später beim Strafgericht

1908       Beginn der Tätigkeit für die Prager „ Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt“

1910       beginnt er Tagebuch zu schreiben

1912       liest Kafka das erste Mal öffentlich aus „Das Urteil“

1915       Carl Sternheim gibt den ihm verliehenen Fontane-Preis an Kafka weiter

               Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ wird in „Der jüngste Tag“ veröffentlicht.

1916      die zweite öffentliche Lesung in München aus „ In der Strafkolonie“

1917      erkrankt er an eier Lungentuberkulose und siedelt auf den Hof seiner Schwester Ottla nach
                Zürau in Nordwestböhmen über

1919       kehrt er nach Prag zurück

Am 03.06.1924 stirbt er an den Folgen der Lungentuberkulose im Sanatorium Kierling bei Wien, wohin er zusammen mit seinem Freund Robert Klopstock und seiner Bekannten Dora Diamant im April reiste

Beerdigt wurde er in Prag


Nachts

Versunken in die Nacht. So wie man manchmal den Kopf senkt, um nachzudenken, so ganz versunken sein in die Nacht. Ringsum schlafen die Menschen. Eine kleine Schauspielerei, eine unschuldige Selbsttäuschung, daß sie in Häusern schlafen, in festen Betten, unter festem Dach, ausgestreckt oder geduckt auf Matratzen, in Tüchern, unter Decken, in Wirklichkeit haben sie sich zusammengefunden wie damals einmal und wie später in wüster Gegend, ein Lager im Freien, eine unübersehbare Zahl Menschen, ein Heer, ein Volk, unter kaltem Himmel auf kalter Erde, hingeworfen wo man früher stand, die Stirn auf den Arm gedrückt, das Gesicht gegen den Boden hin, ruhig atmend. Und du wachst, bist einer der Wächter, findest den nächsten durch Schwenken des brennenden Holzes aus dem Reisighaufen nebem dir. Warum wachst du? Einer muß wachen, heißt es. Einer muß da sein. 




Die Bäume

Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee. Scheinbar liegen sie glatt auf, und mit kleinem Anstoß sollte man sie wegschieben können. Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden. Aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.






Das nächste Dorf

Mein Großvater pflegte zu sagen: „Das Leben ist erstaunlich kurz. Jetzt in Erinnerung drängt es sich
mir so zusammen, daß ich zum Beispiel kaum begreife, wie ein junger Mensch sich entschließen kann, ins
nächste Dorf zu reiten, ohne zu fürchten, daß – von unglücklichen Zufällen ganz abgesehen - schon die
Zeit des gewöhnlichen, glücklich ablaufenden Lebens für einen solchen Ritt bei weitem nicht hinreicht.“

Literatur:

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