Horst Helfrich, geboren 1939 in Freiendiez, war Schriftsteller, Bühnenautor, Regisseur, Texter von Musicals, Gründer und Mitbetreiber von Bühnen, Mitarbeiter von Rundfunk und Fernsehen und Kulturpreisträger.

Dir widme ich die erste Seite.

Horst Helfrich liebte den Humor, das Komische und wie konnte es anders sein, übertrug er das natürlich in seine Literatur. So schrieb er zum Beispiel das Buch: "Kaukasische Koteletts". Hier konnte er seiner Fantasie und seinem Hang zur Satire freien Lauf lassen. Horst Helfrich hatte viele Seiten. Heitere, komische, sensible, mitfühlende und auch ernste Seiten, um die Probleme des Lebens und der Welt wissend. Als er mir im Jahre 2000 sein Buch "Feuer auf Zacharias" übergab, ahnte ich nicht, dass ich es in einer Nacht verschlingen würde. Ich war zutiefst gerührt über den Inhalt. In diesem Buch geht es um Toleranz und eine Liebe von einer Deutschen und einem Zigeuner.

Glücklich bin und war ich, dass ich ihm begegnet bin und mit ihm über 1000 Briefe gewechselt habe. In dieser Zeit haben wir uns gegenseitig privat aber auch beruflich begleitet. Wir haben uns ausgetauscht, kritisiert, unsere Arbeiten begutachtet und gegenseitig zukommen lassen und hatten einiges vor in Sachen Roman etc. Es konnte ja keiner ahnen, wie bald unsere wunderbare platonische Freundschaft für immer enden würde. Er hatte so vieles zu berichten und ich sog alles auf. Immerhin übte er sein Schriftstellerhandwerk schon viele, viele Jahre aus und ich konnte und kann mich nicht mit ihm messen. Mit seinen Theaterstücken hatte er große Erfolge, auch die Uraufführung seines Musicals "Flowergreen" war gelungen.

Vielseitig, wie er war fotografierte er auch. Oft war er darum in der Natur unterwegs.

Horst Helfrich war mit Fritz von Unruh befreundet und dieser wiederum mit Einstein. Fritz von Unruh schenkte ihm einige Widmungen, die ihm sehr viel bedeuteten. Von Unruh hatte eine Schwester- Mathilde von Unruh-, die von Horst und dessen Familie aufopferungsvoll bis zum Tode begleitet wurde. Dies allein zeigt, was er für ein gutes Herz hatte.

Niemand kann die Frage beantworten, warum das Leben den einen Menschen immer wieder fordert, während andere unbeschwert leben und geniessen und so kann auch niemand die Frage beantworten, warum ausgrechnet so ein Mensch, wie Horst, an Krebs erkranken musste. Diese Krankheit beendete dann auch 2006 sein Leben.

Er mochte Sonnenblumen. Ich übrigens auch. Und so, wie eine Sonnenblume Freude, Glück und irgendwie etwas Friedliches an sich hat, so bleibt er in meinem Herzen. Wissend, wie schon so oft, dass es kein Wiederholen gibt.

Briefe an mich...

"Liebes Silberglöckchen,

wenn du müde bist, dann schreiben wir uns morgen. So ganz fit bin ich ja auch nicht mehr. Aber ich wollte doch gerne noch etwas von dir hören und wenn es auch nur ein lieber Gruß ist.

Schade, dass du nicht dabei gewesen bist. Du hättest deine Freude daran gehabt. Was sich da alles trifft, es ist kaum zu glauben. Alle sind sie vertreten. Maler, Musiker, Schriftsteller, sogar ein Zauberkünstler (vielleicht erst 18 Jahre, aber was der zeigte, war sensationell). Während eines Gespräches mit einem Dichter aus Koblenz, der den Kopf voller Betrachtungen über unseren Stand hat, konnte ich mir auf Bierdeckeln ein paar Ansichten notieren:

"Autoren, die auf der Schreibmaschine nur mit zwei Fingern tippen, sind im Vorteil, weil sie dabei in aller Ruhe denken können."

"Wer unbedingt schreiben will, sollte wenigstens schreiben können."

"Solange ein Mensch ein Buch schreibt, kann er nicht unglücklich sein."

"Streichen Sie! Sie glauben kaum, welch ein Genuß darin liegt."
Theodor Storm (an alle Schreiberlinge)

Ich musste immerzu an dich denken, was hättest du wohl mit ihnen philosophiert?

Morgen, Silberglöckchen, schreibe ich dir noch einen längeren Brief. Ich habe mich sehr gefreut, dass du mir trotz deiner Müdigkeit geschrieben hast. Bist ein Schatz. Gretel wird am Sonntag fahren. Dann sehen wir uns erst wieder beim Gespräch im ZDF Mainz.

Ich wünsche dir schon mal eine gute Nacht, mit vielen schönen Träumen und würde mich freuen, noch mal kurz deine Stimme in Worten zu hören. Bleib das Silberglöckchen, so wie es Freude macht, mahnt, rüttelt und mit der Natur auf Du und Du steht. So, wie du dich in meinem Herzen eingenistet hast.

Hab dich lieb
und knuddele dich.
Dein Federchen."

"(...)Liebes Silberglöckchen,

ach, wie schön, dass du dich mit mir freust. Ich umarme dich. Ich habe Manfred von dir erzählt. Ich musste es einfach. Habe ihm gesagt, was du für ein liebes Wesen bist, und dass du das Menschliche nicht vergessen hast. Dass du die Natur liebst und mit uns auf einer Welle reitest. Die Erhaltung der Natur, der Kreaturen und somit unserer Erde. Er meint, dann sollst auch du Pate stehen zu unserem Musical. Ich werde morgen nochmals mit Greenpeace telefonieren. Sie wissen bereits von dem Musical und warten nur auf Näheres. Dann werden auch sie aktiv und wollen es weltweit unkommerziell in ihren Zeitschriften vermarkten. Das ist unser Beitrag zur Erhaltung der Umwelt und somit der Erde. Ich wünschte, du könntest dabei sein, wenn wir im Studio sind oder wenn Manfred komponiert. Es macht soviel Spaß. Wir haben auch schon - wenn denn alles klappt, ein zweites Musical zum Nachschieben. Das muss man, wenn sich ein Erfolgt einstellt. Wenn! ... Wenn!!! Ich schreibe dir mal vom Inhalt in einem nächsten Brief. Bitte teile mir deine ehrliche Meinung darüber mit, ob das gefallen könnte. Es ist wichtig, das von dir zu hören, da du kompetent bist.(...)


"Liebes Silberglöckchen,

jetzt regnet es aber richtig. Aber die Tür nach draußen bleibt auf. Wenn sie sich auch dagegen sträubt. Hier habe ich das Sagen. Und wenn es etwas hereinregnet. Hier sind Fließen, das kann man aufwischen. So, das hat sie gehört, die Tür. Will nämlich dauernd zugehen, weil sie glaubt, wenn es regnet, muss ich geschlossen sein.
Oh, da irrt sie aber gewaltig.

Nein, Silberglöckchen, schreib mir nur und schick mir nur soviel du willst. Ich speichere mir das gesondert ab und komme darauf zurück. Wie auch jetzt auf Opa und den Chaostag. Liebesschnecken im Kaffee. Daraus könnte man einen Film machen. Ein schönes Drehbuch. Sowas juckt mir immer in den Fingern, wenn ein guter Text mich inspiriert. Ich hab mich köstlich amüsiert. Ja, ja, Opa der Schlingel. .. Oder was du mir geschrieben hast über die Korruption. Über den Staat, an den du nicht mehr glaubst. Dass man die Freiheit in der Glaubensfrage nicht toleriert, und, und, und.

Was denkst und hältst du von Nietzsche. Ich glaube deine Antwort zu kennen. Aber darüber möchte ich gerne mal mit dir drüber reden. Muss nicht jetzt gleich sein, aber in nächster Zeit. Das kann man nicht über dem Knie abbrechen. Und unser gemeinsamer Roman klopft auch ständig an. Aber wir wollen uns ja keinen Stress machen. Außerdem ist unsere Freundschaft nicht begrenzt.

Soll ich dir die CD von der Paulskirchenrede zuschicken? Es wäre eine kleine Zugabe zu Politeia, das er auch in dieser Rede erwähnt. Es tut gut, zu hören, wie er vor der Weltöffentlichkeit laut verkündet:
M Ä C H T I G S E I D I H R N I C H T I N W A F F E N -
U N B E W Z W I N G B A R I S T A L L E I N D E R G E I S T

Und unser Geist ist auch unbezwingbar. Wir lassen uns nicht von den falschen Propheten hineinreden. Wir tun das, was wir für richtig halten. Gut so!!!

Bis nachher, liebes Silberglöckchen.
Liebste Grüße von
Federchen."

"Liebes Silberglöckchen,

ich bin nun doch ein wenig müde. War anstrengend alles heute. Aber dann schläft es sich auch gut. Und wenn ich an deine liebenswerten Dinge denke, die tust, dann schläft es sich noch besser. Ab morgen rede ich auch nicht mehr über mich, sondern wir unterhalten uns über das, was uns beide beschäftigt. Einverstanden? Nur den Inhalt von dem geplanten Musical muss ich dir wirklich noch erzählen, weil ich deine Meinung dazu hören möchte. Und dann ist Schluss. Ach, viele Grüße von Rike soll ich dir noch sagen. Hätte es beinahe vergessen. Und das Versprochene muss ich dir ja auch noch schicken. Ganz schnell. Die Kopie fehlt mir nur noch. Aber dann gebe ich den Pferden einen Sack Hafer und ab geht die Post.

Silberglöckchen, ich danke für die Anteilnahme die du an meiner Arbeit, so lieb und von Herzen kommend nimmst. Du bist so gut und aufrichtig. Hab noch nie eine solch wunderbare Freundschaft gehabt. Danke, danke, danke.

Ich wünsche dir eine ruhige und traumgeschichtenreiche Nacht. Mögen dich dein Engel beschützen. Pass auf dich auf. Ohne dich wäre ich um vieles ärmer. Und das meine ich ehrlich, Silberglöckchen.

Schlaf süß.
mit lieben und innigen Gutenachtgrüßen
Dein Federchen"

                                           

                                                               

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