(C) B.G.

Clemens Brentano wurde am 09.09.1778 in Ehrenbreitstein bei Koblenz geboren. Kindheit und Jugend verbrachte er in Frankfurt am Main und in Koblenz.

Brentano begann 1793 ein Studium der Bergwissenschaft in Bonn, musste, da sein Vater ihn in seinem Geschäft als Kaufmann ausbilden wollte, in das väterliche Geschäft eintreten. 

1796 liess er sich darum als Kaufmann in Langensalza ausbilden, kehrte nach dem Tod des Vaters diesem Beruf jedoch wieder den Rücken. Brentano studierte wieder Bergwissenschaft.

1798 siedelte er nach Jena über und schrieb sich dort für das Studium der Medizin ein. Erste Kontakte entstanden zu Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe, August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Johann Gottlieb Fichte, Ludwig Tieck und Sophie Mereau. Später kamen die Gebrüder Grimm hinzu, als auch Achim von Arnim.

1801 ging er nach Göttingen, um dort Philosophie zu studieren.

1803 heiratete der Dichter seine Liebe Sophie Mereau in Marburg und ging mit ihr 1804 nach Heidelberg.

1806 starb Sophie Mereau an einer Todgeburt.

1807 Bekanntschaft mit Goethe in Weimar.

1809 traf er auf einer Reise in Berlin Adelbert Chamisso, Joseph von Eichendorff, Wilhelm von Humboldt, Adam Müller,
Heinrich von Kleist und Friedrich de la Motte Fouqué.

Ab 1810 schrieb sich Brentano regelmässig mit Philipp Otto Runge. Dieser Briefwechsel bestand bis zu dessen Tod.

1813 hielt er sich in Wien auf, versuchte dort literarisch am Theater Fuss zu fassen, was ihm nicht gelang.  

1833 ging Clemens Brentano nach München.

Am 28.07.1842 starb Brentano in Aschaffenburg.

Ich wollt` ein Sträußlein binden 

Ich wollt' ein Sträußlein binden,
Da kam die dunkle Nacht,
Kein Blümlein war zu finden,
Sonst hätt' ich dir's gebracht.

Da flossen von den Wangen
Mir Tränen in den Klee,
Ein Blümlein aufgegangen
Ich nun im Garten seh'.

Das wollte ich dir brechen
Wohl in dem dunklen Klee,
Doch fing es an zu sprechen:
»Ach tue mir nicht weh!

Sei freundlich in dem Herzen,
Betracht' dein eigen Leid,
Und lasse mich in Schmerzen
Nicht sterben vor der Zeit.«

Und hätt's nicht so gesprochen,
Im Garten ganz allein,
So hätt' ich dir's gebrochen,
Nun aber darf's nicht sein.

Mein Schatz ist ausgeblieben,
Ich bin so ganz allein.
Im Lieben wohnt Betrüben,
Und kann nicht anders sein.

Die Rose blüht

Die Rose blüht, ich bin die fromme Biene,
Die in der Blätter keuschen Busen sinkt,
Und milden Tau und süßen Honig trinkt,
Doch lebt ihr Glanz und bleibet ewig grüne.
So singt mein tiefstes Freudenlied,
Ach meine Rose blüht!

Die Rose blüht, o Sonnenschein verziehe,
Daß lange noch der liebe Sommer währt,
Und mir kein Sturm die süße Lust versehrt,
Daß all mein Heil aus dieser Rose blühe,
So freut sich innig mein Gemüt,
Weil meine Rose blüht!

Die Rose blüht, und lacht vor andern Rosen,
Mit solcher Huld, und Liebesmildigkeit,
Daß gern mein Sinn sich zu der Pflicht erbeut,
Mit andern Blumen nie mehr liebzukosen,
Weil alle Liebe, die erglüht,
Aus Dir Du Rose blüht!


Nun gute Nacht! mein Leben

Nun, gute Nacht! mein Leben,
Du alter, treuer Rhein,
Deine Wellen schweben

Schon im klaren Sternenschein;
Die Welt ist rings entschlafen,
Es singt den Wolkenschafen
Der Mond ein Lied.

Der Schiffer schläft im Nachen
Und träumet von dem Meer,
Du aber, du mußt wachen
Und trägst das Schiff einher.
Du führst ein freies Leben,
Durchtanzest bei den Reben
Die ernste Nacht.

Wer dich gesehn, lernt lachen;
Du bist so freudenreich,
Du labst das Herz der Schwachen
Und machst den Armen reich,
Du spiegelst hohe Schlösser,
Und füllest große Fässer
Mit edlem Wein.

Auch manchen lehrst du weinen,
Dem du sein Lieb entführt,
Gott wolle die vereinen,
Die solche Sehnsucht rührt.
Sie irren in den Hainen
Und von den Echosteinen 

Erschallt ihr Weh.

Und manchen lehret beten
Dein tiefer Felsengrund,
Wer dich in Zorn betreten,
Den ziehst du in den Schlund.
Wo deine Strudel brausen,
Wo deine Wirbel sausen,
Da beten sie.

Mich aber lehrst du singen,
Wenn dich mein Aug' ersieht,
Ein freudenselig Klingen
Mir durch den Busen zieht.
Treib fromm nur meine Mühle,
Jetzt scheid' ich in der Kühle
Und schlummre ein.

Ihr lieben Sterne decket
Mir meinen Vater zu.
Bis mich die Sonne wecket,
Bis dahin mahle du.
Wird's gut, will ich dich preisen,
Dann sing' in höhern Weisen
Ich dir ein Lied.

Nun werf' ich dir zum Spiele 
Den Kranz in deine Flut,
Trag' ihn zu seinem Ziele,
Wo dieser Tag auch ruht.
Und nun muß ich mich wenden
Und segnend dich vollenden
Den Abendsang. 

Schwanenlied

Wenn die Augen brechen,
Wenn die Lippen nicht mehr sprechen,
Wenn das pochende Herz sich stillet
Und der warme Blutstrom nicht mehr quillet:
O dann sinke der Traum zum Spiegel nieder,
Und ich hör' der Engel Lieder wieder,
Die das Leben mir vorüber trugen,
Die so selig mit den Flügeln schlugen
Ans Geläut der keuschen Maiesglocken,
Daß sie all die Vöglein in den Tempel locken,
Die so süße wildentbrannte Psalmen sangen:
Daß die Liebe und die Lust so brünstig rangen,
Bis das Leben war gefangen und empfangen;
Bis die Blumen blühten;
Bis die Früchte glühten,
Und gereift zum Schoß der Erde fielen,
Rund und bunt zum Spielen;
Bis die goldnen Blätter an der Erde rauschten,
Und die Wintersterne sinnend lauschten,
Wo der stürmende Sämann hin sie säet,
Daß ein neuer Frühling schön erstehet.
Stille wird's, es glänzt der Schnee am Hügel
Und ich kühl' im Silberreif den schwülen Flügel,
Möcht' ihn hin nach neuem Frühling zücken, 
Da erstarret mich ein kalt Entzücken -
Es erfriert mein Herz, ein See voll Wonne
Auf ihm gleitet still der Mond und sanft die Sonne
Unter den sinnenden, denkenden, klugen Sternen
Schau' ich mein Sternbild an in Himmelsfernen;
Alle Leiden sind Freuden, alle Schmerzen scherzen
Und das ganze Leben singt aus meinem Herzen:
Süßer Tod, süßer Tod
Zwischen dem Morgen- und Abendrot. 



25. August 1817

Einsam will ich untergehn
Keiner soll mein Leiden wissen,
Wird der Stern, den ich gesehn
Von dem Himmel mir gerissen
Will ich einsam untergehn
Wie ein Pilger in der Wüste.

Einsam will ich untergehn 
Wie ein Pilger in der Wüste,
Wenn der Stern, den ich gesehn
Mich zum letzten Male grüßte
Will ich einsam untergehn
Wie ein Bettler auf der Heide.

Einsam will ich untergehn
Wie ein Bettler auf der Heide,
Giebt der Stern, den ich gesehn,
Mir nicht weiter das Geleite
Will ich einsam untergehn
Wie der Tag im Abendgrauen.

Einsam will ich untergehn
Wie der Tag im Abendgrauen,
Will der Stern, den ich gesehn
Nicht mehr auf mich niederschauen,
Will ich einsam untergehn
Wie ein Sklave an der Kette.

Einsam will ich untergehn
Wie der Sklave an der Kette,
Scheint der Stern, den ich gesehn
Nicht mehr auf mein Dornenbette
Will ich einsam untergehn
Wie ein Schwanenlied im Tode.