(C) B.G.

Lieber ...


deine Gedanken über die Liebe, das Befassen damit, es ist als würde man den Ansatz eines Keimes finden- eines Keimes der Wirklichkeit und Realität von einem der auszog nach Liebe zu suchen...Wie oft habe ich diese Gedanken, die du gedacht hast und doch merke ich schnell, im tieferen Hineinsehen, dass es längst nicht reicht die Liebe so zu sehen. Uns erscheint die Liebe ein ganzes Leben lang anders. Sind wir jünger- sehen wir sie unkomplizierter, als wenn wir älter sind. Unser Bewusstsein, unser Denken, unsere Erfahrungen ändern sich.Wenn wir jung sind stürzen wir uns in eine Liebe, je älter wir werden, umso länger brauchen wir eine Anlaufzeit. Wir sind einfach vorsichtiger. Bewusst werden wir uns im Laufe unserer Erfahrungen in der Liebe über ihre Existenz. Sie überschreitet oft Grenzen, positiv wie negativ. Wir wissen, dass man Gefühle biochemisch und physikalisch erklären kann und evolutionär, dennoch sind wir in ihrer Erklärung längst nicht angekommen. Ungefähr so, wie wir uns Stück für Stück unseren Aufbau der Dinge erforschen und trotzdem wir viel wissen, wissen wir im Grunde beinah nichts. Der Mensch sieht seine Welt durch seine Augen, nimmt sie durch seine Sinne wahr und erklärt sich durch Logik seine Welt. Es ist ein guter Weg und dennoch sind wir nicht angekommen. Wie erschreckend klar wird uns das, wenn wir unsere Wahrnehmung mit deren der Tiere vergleichen. Wie anders sieht zum Beispiel ein Hund seine Welt? Es sind Universen, die die Wahrnehmungen trennen. Und auch die Liebe ist ein nur ansatzweise erklärbares Universum.

Natürlich könnte man sie reduzieren auf wissenschaftliche Aspekte, es auf den Punkt bringen, sozusagen. Doch um ein wenig scherzhaft zu werden, denkst du denn wirklich ein Punkt ist nur ein Punkt oder hast du dir einmal überlegt, dass ein Punkt auch etwas darstellt und eine Fläche hat und man in einen noch so kleinen Punkt immer wieder auch einen Punkt setzen kann. Mathematisch freilich ist ein Punkt eindeutig, doch wie wär es mal einen Punkt mit einem Wassertropfen zu vergleichen. In einem einzigen Wassertropfen existieren zig kleine Mikoorganismen. Oder denk dir einen Punkt in verschiedenen Dimensionen. So ist auch die Liebe. Sie ist auf den Punkt gebracht, wenn zwei sich lieben- für eine Zeit und dann tritt sie wieder aus dem Punkt heraus, denn das Erkennen beiderseits beginnt. Wie die Rinde eines Baumes wächst Schicht für Schicht um den Punkt, aber auch der eigentliche Punkt bleibt bestehen.

Wir erleben die Liebe, wir verwachsen in ihr und wir wollen sie umfassen, denn sie ist das, was uns leben lässt, sie ist das, was uns erfüllt.So hoffen wir.
Erfüllt nicht nur mit positiven Gefühlen und Erfahrungen, sondern genauso mit negativen. Wir erwarten von allem, was uns im Laufe unserer Jahre tangiert, einen Sinn und wir erhoffen uns das Glück. Wenige Menschen erkennen, dass gerade beide Seiten aller Dinge wichtig sind. Das Gute und das Schlechte, denn beides ist wichtig, um sich zu entwickeln.Wer seine und anderer Fehler nicht zu schätzen weiss, hat verkannt, wie wertvoll es ist Fehler zu machen, denn aus Fehlern entstehen zum Beispiel ganz viele neue kreative Lösungen. Fehler sind Antriebe und noch immer haben viele, viele Menschen Probleme damit in irgendwelchen Gegebenheiten zu scheitern, obwohl das Scheitern auch heisst etwas zu erkennen und neu zu formen...Auch in der Liebe wird gescheitert.

Würden wir nicht scheitern und keine Fehler machen, wären wir evolutionär nicht in dieser Entwicklungsphase, in welcher wir uns befinden. Wir denken uns fortschrittlicher. Es ist ein Glück zu denken, nur manchmal denken wir unglücklich. Verliebte Menschen sind oft überglücklich, wenn es zur Erfüllung kommt, doch wenn es nicht erwidert wird, sind sie um so unglücklicher. Dieser schmale Grad hängt manchmal nur von ein paar Sekunden ab. Sekunden, in denen man dem anderen begegnet und man sich verliebt.

Niemand kann denken einen anderen Menschen ganz und gar zu kennen, ja noch nicht mal sich selbst kann ein Mensch bis zu seinem Tode 100 Prozent erfahren, denn jeder Mensch entwickelt sich stetig weiter, der eine mehr, der andere weniger. Wie oft meinen Menschen, die viele Jahre in einer Beziehung mit einem Partner gelebt haben, sie würden den anderen in- und auswendig kennen. Dann kommt eine Trennung und dann die erschreckende Einsicht, dass dies nicht so ist, denn plötzlich treten vom Gegenüber Eigenschaften hervor, die vorher nie auftraten und das führt dazu, dass eine völlige Fremde eintritt. Und durch diese Fremde eine Verfremdung, die es vielleicht für einige Jahre nicht mehr möglich macht, unbeschwert und kritiklos neu zu lieben.

Die Liebe ist so komplex.Sie umfasst nicht nur das Fühlen von Mensch zu Mensch, nein sie ist wie ein Universum in welches man schaut. Und je tiefer man hinein sieht, um so mehr immer kleiner werdende Bausteine erkennt man.Wir meinen sie zu kennen, sie einzustufen und irgendwann merken wir, dass genau das es ist, was uns oft daran hindert, sie zu finden. Aber wenn man lernt loszulassen befreit man sich selbst. Erst, wenn man lernt, dass wir selbst es sind, die in die objektiv resultierende Wahrnehmung aus unserer Subjektiven spiegeln, kann man daraus seine Erkenntnisse umsetzen. Sprich, jeder lernt seinen Spiegelpartner kennen und daraus kann auch jeder seine eigene Reife und sein Denken und Fühlen erkennen. Man kann erst dann wirklich lieben, wenn man sich selbst wirklich liebt, denn nur dann hört man auf, einen Partner zu seinem Projizierungsobjekt zu formen.

Ja, es ist so...wenn man aber wirklich liebt, dann nimmt man den Menschen so, wie er ist. Ja, und es stimmt, dann fühlt man sich miteinander wohl, man hat das Gefühl von einer unbestimmten Macht getragen zu werden. Und zwar so, dass man sich sehr sicher fühlt. Der andere Mensch kann weit weg sein, und doch ist er so nah im Herzen. Einfach aus dem Grund, weil man sich dem anderen sicher ist. Man empfindet absolutes Vertrauen und daraus resultierend Nähe.

Liebe ist aber auch Kommunikation. Ohne sie und ohne diese gewisse Ebene kann sich keine wirkliche Liebe aufbauen. Ein Verliebtheitsgefühl wohl, nicht aber eine weiterführende Liebe. Wenn man sich vom anderen nicht verstanden fühlt, wenn man das Gefühl hat, dass alles, was man zu sagen hat auf keinen fruchtbaren Boden fällt, sprich also, auch der andere mit einem redet, dann wird man ganz schnell unglücklich.

Es gibt so verschiedene Arten zu lieben... das ist zum Beispiel ein Spaziergang in der Natur, aus dem ich glücklich und gestärkt komme- ich liebe es...

Liebe...wir lernen und wachsen ein ganzes Leben lang an ihr.

Es ist ein Glück erfüllt geliebt zu werden und glücklich ist wer liebt. Und diese Art von Glück ist auch wieder nur ein Teil, von dem was Glück alles bedeuten kann und die Erklärung könnte ebenso wie die der Liebe ganze Bücherregale füllen.

Viele Grüße und das du deine Liebe findest...

Birgit

Gesammelte Gedichte und Briefe über die Liebe

Friedrich Hölderlin an Louise Nast

Was wir doch für Menschen sind-Liebe! Ich meine,dieser Augenblick, da ich bei Dir war, sei seliger gewesen als alle,alle Stunden. Unausprechlich wohl war mir`s,als ich so oben am Berg ging und deinen Kuß noch auf meinen Lippen fühlte.- Ich blickte so heiss in die Gegend, ich hätte die Welt umarmen mögen- und noch, noch ist`s mir so! Deine Veilchen stehen vor mir Louise! Ich will sie aufbewahren,solang ich kann.

Weil Du den " Don Carlos" liest,will ich ihn auch lesen auf den Abend, wenn ich ausgeschafft habe.

Ich mache wirklich über Hals und Kopf Verse.-Ich soll dem braven Schubart ein Paket schicken. Auf meinen Spaziergängen reim` ich allemal in meine Schreibtafel-und was meinst Du? An Dich! An Dich! Und dann lösch` ich`s wieder aus. Dies hatt` ich eben getan, als ich vom Berg herab Dich kommen sah.

O Liebe, an Gott und an mich denkst Du in Deinem Stübchen? Bleibe Du so, wenn Du schon vielleicht die einzige unter Hunderten bist...

Wenn ich nur immer so zufrieden bliebe, wie ich jetzt bin. Doch- ich liebe Dich ja unter jeder Laune fort-mein Zustand ist also doch nicht der schlechteste. Denke recht oft an mich. Du weisst-ich bleibe unzertrennlich

Dein Hölderlin  







Liebe

Wo weite Himmel sich einander gleichen
Rosa Regen die verbrannte Sehnsucht wäscht
Schlagen pochend Herzen junge Wünsche
In die Rinde alter Eichen
Da steht sie nun
die Liebe in allen Arten
Und weicht die Worte auf
Die verträumte Schwüre in die Lüfte tragen

B.G.


Liebes-Lied

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
ach gerne möchte ich sie bei irgendwas
verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt,wenn deine Tiefen schwingen.
doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie einen Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
auf welches Instrument sind wir gespannt?
und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süsses Lied.

Rainer Maria Rilke



Der Schwan

Auf der blanken See dort ich seh
Den Schwan, so weiss wie Schnee;
Wer weiss, was er träumt, welche Bilder und Lieder-?

Ein blutiger Pfeil steckt unterm Gefieder.

Hans Christian Andersen

Selbst der Weiseste wird von der schweren Last der Liebe gebeugt. In Wahrheit aber ist sie so leicht wie eine Briese des Windes.

Khalil Gibran


Nikolaus Lenau an Sophie Löwenthal

Wien,26.Oktober 1837

Mir zittert die Hand, und mein Herz klopft noch von deinen letzten Küssen.Ich habe Dein Bett geküßt, während Du fort warst, und gerne wäre ich davor knien geblieben. Die Stätte, wo Du schläfst. hat etwas so schmerzlich  Süßes; sie erscheint mir wie das Grab unserer Nächte, der unwiederbringlichen. O Sophie! Das, was wir uns erlauben, unsere Küsse verrauschen auch; aber wir hatten sie doch, und sie haben unsern Seelen eingeprägt für immer. Jene Nächte aber sind vorüber und auch verloren. O so lass uns doch wenigstens alles zusammenfassen in diese Küsse!